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Was macht einen
harmonisch schmeckenden Wein aus? Neben den Aromen der Früchte ist es das
Verhältnis von drei Faktoren: Der Restsüße im fertigen Wein, des
Alkoholgehalts und der Säure. Es gilt die Faustregel: Je mehr ich von dem
einen habe, desto höher sollte der Gehalt der beiden anderen Faktoren
sein. Ein Wein, der aufgrund der verwendeten Früchte sehr sauer ist, wird
besser schmecken und ist besser verträglich für den Magen, wenn er etwas
süßer ist. Und je höher der Säure- und der Alkoholgehalt des Weins ist,
desto haltbarer ist er. Anders herum: Ein extrem säurearmer Wein schmeckt
fade und nüchtern, er hat keinen Körper.
Leider sind die wenigsten Früchte aufgrund ihres
Säure- und Zuckergehalts ähnlich gut für die Weinbereitung geeignet wie
die Weintraube. Deshalb muss der Natur oftmals etwas nachgeholfen werden,
um einen schmackhaften Wein aus anderen Früchten zu bereiten. Stellen Sie
Sich vor, sie möchten einen schweren Dessertwein aus Bananen herstellen.
Das ist ein sehr leckerer Wein, aber wenn Sie in eine Banane beißen,
merken Sie natürlich sofort, das diese Frucht kaum Säure enthält. In den
beiden folgenden Kapiteln werde ich Ihnen deshalb darstellen, wie man auch
aus solch problematischen Früchten einen ausgewogen schmeckenden Wein mit
einer gewünschten Restzuckermenge herstellen kann.
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Abb. 6.1: Das Verhältnis von
drei Faktoren bestimmt die Harmonie des Weins: Der
Alkoholgehalt, der Restzucker und der Säuregehalt |
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Bevor man die Zucker- oder die Säuremenge
einstellen kann, muss man sie zunächst bestimmen können.
Mit den dazu erforderlichen Techniken beschäftigt sich dieses
Kapitel. Ich lege dabei besonderen Wert auf die Einfachheit der
verwendeten Methoden, und ich möchte Ihnen auch vermitteln,
warum die Methoden in ihrer Genauigkeit sehr begrenzt sind. Sie
werden sehen, dass die Vorgehensweise viel unkomplizierter ist,
als sie in vielen Büchern zur Weinbereitung dargestellt
wird. Die Ergebnisse lohnen jedenfalls den Mehraufwand.
Wenn Sie meine Ratschläge in den nächsten
beiden Kapiteln berücksichtigen, müssen Sie nur den
Alkoholgehalt und die Säuremenge bestimmen. Der Vollständigkeit
halber werde ich aber auch auf die Messung anderer Parameter
eingehen.
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| Abb. 6.2: Von links: Alkoholometer, Oechslewaage,
Vinometer und Refraktometer |
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Die Messung des Zuckergehalts
Der Zuckergehalt kann mit zwei Geräten
bestimmt werden: Mit einem Refraktometer und einer Oechslewaage.
Mit dem Refraktometer wird der Brechungsindex der Flüssigkeit
bestimmt, der von der Konzentration der darin gelösten Teilchen
abhängt. Da ein Refraktometer aber mehrere hundert EUR kostet,
kommt die Anschaffung für den Hobbywinzer kaum in Frage,
weshalb ich nicht näher auf das Messprinzip eingehen möchte.
Die Oechslewaage (Abb. 6.2) ist weit günstiger in der
Anschaffung und soll deshalb genauer behandelt werden. Es handelt
sich hierbei um eine Senkspindel, mit der die Dichte der Flüssigkeit
in so genannten Oechslegraden bestimmt werden kann. Traditionell
wird die Dichte des Weinansatzes (der Most) als Mostgewicht
bezeichnet, die Oechslewaage wird deshalb manchmal auch Mostwaage
genannt. Zur Bestimmung des Mostgewichts füllt man einen
Messzylinder mit der zu messenden Flüssigkeit und lässt
dann das Messgerät langsam hineingleiten, bis es frei schwimmt.
Es muss senkrecht in der Flüssigkeit stehen und darf
nicht die Wandung berühren. Das Gerät sollte außerdem
sauber sein, und es dürfen sich keine Luftblasen an ihm
befinden. Dazu muss ggf. die Kohlensäure im bereits
gärendem Wein durch kräftiges Ausschütteln entfernt
werden. Nach dem archimedischen Prinzip schwimmt ein Körper,
wenn die Gewichtskraft des von ihm verdrängten Wassers seiner
eigenen Masse entspricht. Da eine Zuckerlösung eine höhere
Dichte als reines Wasser hat, wird die Oechslewaage umso
tiefer eintauchen, je geringer die Dichte der Lösung ist,
also je niedriger der Zuckergehalt ist. Der genaue Zuckergehalt
wird an der Skala in der Höhe des Flüssigkeitsspiegels
abgelesen. Wässrige Lösungen bilden einen so genannten
"Meniskus", d.h. die Flüssigkeit zieht sich am
Glas nach oben. Die Ablesung kann nun "oben" oder "unten"
erfolgen (Abb. 6.3). Normalerweise ist auf der Oechslewaage vermerkt,
welches für Ihr Modell die richtige Ableseart ist. Findet
sich kein Hinweis, so erfolgt die Ablesung immer "unten".
Man erhält eine Angabe in "Oechslegraden [°Oe]":
Dieser Wert gibt an, um wie viel schwerer ein Liter der gemessenen
Flüssigkeit ist als ein Liter reines Wasser. Ein Liter eines
Weinansatzes mit 50°Oe wiegt beispielsweise genau 1050 g.
Je höher dieser Wert ist, desto süßer ist das
Gemisch. Da die Dichte einer Flüssigkeit von ihrer Temperatur
abhängt und die Oechslewaagen auf eine Temperatur von 20°C
geeicht sind, muss der Messwert korrigiert werden,
wenn die Temperatur der Flüssigkeit deutlich von 20°C
abweicht. Für jeweils 3,5°C über 20°C werden
1°Oe addiert, für jeweils 3,5°C unter 20°C müssen
1°Oe abgezogen werden.
1°Oe entspricht einer Zuckermenge von
etwa 2,6 g/l bzw. 0,26 Gewichtsprozent. Bei der vollständigen
Vergärung einer Zuckermenge, die 10°Oe entspricht, entsteht
etwa 10g/l Ethanol. Der Alkoholgehalt wird aber meist in Volumenprozent
angegeben. Zur Umrechnung wird der Wert in Gewichtsprozent durch
7,9 geteilt (da Alkohol ein geringeres spezifisches Geweicht
von 0,79 g/ml aufweist). Ein Weinansatz von 120°Oe bildet
also maximal 120 g/l Ethanol, dies entspricht einer Menge von
15% Ethanol. Dies ist die absolute Obergrenze für den Zuckergehalt
des Weinansatzes, denn die Alkoholtoleranz der meisten Hefen
liegt unter diesem Wert. Enthält der Weinansatz mehr Zucker,
so kann dieser nicht vollständig vergoren werden, und es
entsteht ein Wein mit hohem Restzuckergehalt.
Im Kapitel "Der Zucker" gehe ich näher auf die
gebräuchlichen Einheiten zur Angabe des Zuckergehalts ein.
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| Abb. 6.3: Zur Bestimmung des Zuckergehalts soll die Oechslewaage frei in der Flüssigkeit schwimmen. Die Ablesung
auf der Skala erfolgt entweder "unten" oder "oben". |
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Die Messung des Alkoholgehalts
Der Alkoholgehalt eines Weins kann mit
verschiedenen Methoden exakt bestimmt werden, die aber für
den Hobbywinzer nicht in Frage kommen. Es gibt zum Beispiel Kits
zur Alkoholbestimmung, die auf der enzymatischen Umsetzung von
Ethanol beruhen. Auch eine Destillation ermöglicht die exakte
Ethanolbestimmung in einem Weinansatz.
Die dem Hobbywinzer zur Verfügung
stehenden Methoden beruhen auf der Veränderung von physikalischen
Eigenschaften in einem Wasser-Ethanol-Gemischs. Das Alkoholometer
(Abb. 6.2) wird primär zur Bestimmung des Alkoholgehalts
in Branntwein genutzt. Das Messprinzip beruht auf der Verringerung
der Dichte einer alkoholischen Lösung, die mit einer Senkspindel
bestimmt wird. Das Alkoholometer ähnelt der Oechslewaage,
lediglich die Skala ist verschieden. Recht genau und einfach
in der Anwendung ist das Vinometer (Abb. 6.2). Hierbei
handelt es sich um ein Glasgerät mit einer Kapillare, an
der eine Skala angebracht ist. Die Kapillare wird durch den kleinen
Einfülltrichter mit Wein befüllt und mit dem Finger
verschlossen. Anschließend wird das Vinometer auf eine
ebene Unterlage gestellt und der Finger entfernt. Nun sinkt der
Flüssigkeitspegel ab, wobei die Höhe dem Alkoholgehalt
entspricht: Je höher der Alkoholgehalt, desto tiefer sinkt
die Flüssigkeit. Dieser Effekt beruht auf der Adhäsionskraft
des Wassers, die zum Beispiel bewirkt, dass Wassertropfen
an Oberflächen hängen bleiben und erst herabstürzen,
wenn die Gewichtskraft des Wassertropfens die Adhäsionskraft
übersteigt. Alkohol besitzt geringere Adhäsionskräfte
als Wasser, weshalb die Wassersäule von alkoholischen Lösungen
im Vinometer tiefer sinkt. Auch die Messung mit dem Vinometer
wird von der Temperatur beeinflusst und muss gegebenenfalls
korrigiert werden. Der besondere Vorteil des Vinometers liegt
darin, dass für eine Messung nur wenige ml Wein benötigt
werden.
Da der Brechungsindex von Alkohol sich vom
dem des Wassers unterscheidet, kann man den Alkoholgehalt auch
mit speziellen Refraktormetern bestimmen, die eine Skala zur Ablesung des
Alkoholgehalts haben.
Ein altehrwürdiges Messgerät für den Alkoholgehalt
ist das Ebullioskop nach Vidal Malligand. Leider ist sehr teuer,
der Neupreis liegt bei rund 600 Euro und ist damit für den Hobbywinzer
leider zu teuer. Da es sich aber um ein ausgesprochen schönes Gerät
handelt möchten wir es hier trotzdem vorstellen und das Messprinzip
darstellen.
Ebullioskop nach
Vidal Malligand: Messprinzip und Messdurchführung
Grenzen bei der Bestimmung von Zucker-
und Alkoholgehalt
Vielleicht ist es Ihnen ja schon aufgefallen.
Sowohl der Alkohol- als auch der Zuckergehalt bestimmen die Dichte
der Lösung, und die Dichte muss für beide Bestimmungen
herhalten. Das klappt gut, wenn eine Lösung entweder nur
Alkohol oder nur Zucker enthält. Aber was passiert, wenn
beides enthalten ist? Sie ahnen es sicher schon: Die Messungen
werden zunehmend ungenau. Restzucker im Wein erhöht die
Dichte, weshalb der Alkoholgehalt nicht mehr genau bestimmt werden
kann. Auch das Vinometer versagt, sowohl Restzucker als auch das bei der
Gärung gebildete Glycerin sowie Trübstoffe verändern das Verhalten der
Flüssigkeit in der Kapillare. Zum Ende der Gärung hin sinkt der mit dem
Vinometer gemessene Alkoholgehalt oft etwas ab.
Die oben beschriebenen Methoden liefern also nur
dann verlässliche Werte, wenn der Ansatz zu Beginn der Gärung noch keinen
Alkohol enthält, die Alkoholmessung ist erst im fertigen Wein mit wenig
Trub, wenig Zucker und ohne Kohlensäure präzise.
Auch das Refraktometer versagt, denn der
Brechungsindex, der mit dem Refraktometer bestimmt wird, wird sowohl
von den gelösten Stoffen wie Zucker als auch vom Alkohol beeinflusst.
Dieses Problem kann umgangen werden, indem Sie mit
einer kleinen Destille die gesamte Flüssigkeit einer Weinprobe verdampfen.
Alkohol und Wasser werden so vom Restzucker getrennt. Danach können Sie
den Alkoholgehalt des Destillats mit einer Senkspindel oder einem
Vinometer genau bestimmen, denn er ist frei von Zucker. Wenn der
feste Rückstand in der Destille wieder in Wasser gelöst wird, können Sie
nun den Zuckergehalt genau messen, denn es ist kein Alkohol mehr
vorhanden, der die Messung stört. Zu diesem Zweck gibt es kleine Destillen
im Fachhandel, aber die sind recht teuer, und die Anschaffung lohnt sich
meiner Meinung nach nicht für den Hobbywinzer.
Ein Weinansatz enthält noch andere
Substanzen, welche die Dichte und damit insbesondere die Zuckermessung
beeinflussen, so zum Beispiel die verschiedenen Fruchtsäuren
oder die groben Fruchtreste zu Beginn der Gärung. Deshalb
enthalten viele Bücher oder die Gebrauchsanweisungen der
Oechslewaagen Tabellen, mit denen die gemessenen Werte fruchtspezifisch
berichtigt werden können. Es sollte Ihnen jedoch klar
sein, dass die so erhaltenen Werte keinesfalls genau sind.
Die Bestimmung der Säuremenge
Ein harmonisch schmeckender Wein benötigt
eine bestimmte Säuremenge. Säurearme Weine aus Früchten mit
einem geringen Gehalt an natürlichen Fruchtsäuren müssen
deshalb mit Säure versetzt werden. Die aktuelle Säurestärke
einer Lösung wird durch den pH-Wert (potentia Hydrogenii)
beschrieben, der Werte zwischen 0 und 14 annehmen kann. Der pH-Wert
ist der negative dekadische Logarithmus des Zahlenwerts der Konzentration
der sogenannten Hydroniumionen
[H3O+].
Das
klingt jetzt sehr kompliziert, aber merken müssen Sie Sich nur das
folgende:
- Säuren können Protonen [H+-Teilchen]
auf Wasser [H2O] übertragen. Dabei entstehen Hydroniumionen
[H3O+]
- Basen können Protonen aufnehmen. Sie
neutralisieren also Säuren.
- Gibt eine Säure ein Proton ab, so entsteht aus dem Säureteilchen ein
geladenes Teilchen, dass wieder ein Proton aufnehmen kann. Per
Definition handelt es sich bei dem neu entstandenen Teilchen also um
eine Base. Diese Base nennt man die zugehörige oder konjugierte Base der
Säure (siehe Abb. 6.4 für ein Beispiel)
- Je höher die Konzentration an Hydroniumionen ist,
desto saurer ist eine Lösung.
- Der pH-Wert gibt die Konzentration der
Hydroniumionen an.
Neutrales Wasser hat einen pH von 7, Lösungen mit einem
pH von 0-6 sind sauer, Lösungen mit einem pH von über
7 sind basisch.
- Die pH-Skala ist logarithmisch. Deshalb ist z.B.
eine Lösung mit einem pH von 3 zehnmal
saurer als eine Lösung mit dem pH 4. Eine Lösung mit einem pH von 2
ist hundertmal saurer als eine Lösung mit dem pH von 4 usw.
Der pH-Wert eines Fruchtweins liegt
meist zwischen 3 und 4. Er ist für die Weinbereitung jedoch
von geringerer Bedeutung, denn er bestimmt den Säuregeschmack
im alterersten Moment des Verkostens. Wichtiger ist die absolute
Säuremenge, die in g/l angegeben wird, denn sie bestimmt
die Nachhaltigkeit des Säuregeschmacks.
Nun haben mich einige Leser gefragt, warum
man nicht vom pH-Wert direkt auf die Säuremenge schließen
kann bzw. warum die Bestimmung der Säuremenge wichtiger
ist als die Bestimmung des pH-Werts. Deshalb möchte ich
etwas genauer auf diesen Punkt eingehen, bevor ich auf die Technik
zur Säurebestimmung komme.
Eine Zelle und damit auch der "Fruchtmatsch" im Wein
besteht aus einem komplexen Gemisch aus verschiedenen schwachen Säuren,
deren Basen, Proteinen und Salzen. Der pH-Wert einer solchen Lösung wird
nicht von der absoluten Menge aller Bestandteile bestimmt, sondern von
deren Verhältnis zueinander. Deshalb erlaubt der pH-Wert keinen
Rückschluss auf die Säuremenge.
Dazu ein Beispiel mit Essigsäure. Die hier erklärten
Prinzipien gelten uneingeschränkt für alle Säuren, die im Fruchtwein
enthalten sein können. Wie Sie wissen, ist Essig sauer. Das liegt daran,
dass das Essigmolekül ein Proton auf Wasser übertragen kann (Abb.
6.4). Dabei einsteht das Salz der Essigsäure. Das Salz der
Essigsäure ist eine Base, denn sie kann wieder ein Proton aufnehmen: Die
Abgabe des Protons vom Essig an Wasser ist reversibel.
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Abb. 6.4: Essig als Beispiel für
eine Säure. Gibt die Säure ihr Proton ab, so entseht aus dem
Säureteilchen die konjugierte Base. |
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Wenn der Hobbychemiker die schwache Säure Essig und ein
Salz der Essigsäure (die konjugierte Base) so in Wasser mischt, dass das
Verhältnis der Säure- und Basenteilchen 1:1 ist, so wird die Lösung einen
pH-Wert von 4,74 haben. Das ist immer so, wenn ich
diese beiden Stoffe im Verhältnis 1:1 mische. Es spielt dabei gar keine
Rolle, wie viel Säure und Base er insgesamt in das Wasser gemischt hat.
Der pH-Wert ist also unabhängig von der
Konzentration der Essigsäure. Andersherum gesagt: Wenn ich den pH-Wert
messe, kann ich aus dem Ergebnis der Messung nicht auf die
Gesamtkonzentration von Essig und seiner konjugierten Base rückschließen.
Das ist der Grund, warum der pH-Wert eines Weinansatzes kein Maß für die
Säuremenge ist.
Was für die Weinbereitung wichtig ist:
Ein solches Gemisch aus schwachen Säuren und der konjugierten Base
reagiert wie eine Pufferlösung, d.h. der pH-Wert wird innerhalb eines
bestimmten Bereichs halbwegs konstant gehalten, auch wenn kleine Mengen
Säure oder Base hinzu gegeben werden. Woran liegt das? Kommen wir auf
unser Beispiel mit dem Hobbychemiker zurück, der einen Puffer aus Essig
und der konjugierten Base des Essigs im Verhältnis 1:1 hergestellt hat.
Gibt er z.B. ein klein wenig einer starke Base in diesen Puffer, so wird
die Base Protonen aufnehmen, und die Konzentration der Hydroniumionen
sinkt. Nun setzt die Pufferwirkung ein: Das Gleichgewicht zwischen Essig
und der konjugierten Base verschiebt sich zugunsten des Salzes, d.h.
einige Essigäureteilchen geben ihr Proton ab, bis der Verlust an
Hydrioniumionen ausgeglichen ist. Deshalb bleibt der pH-Wert zunächst
stabil bei 4,74. Erst wenn die Essigteilchen aufgebraucht sind steigt der
pH-Wert bei Zugabe von Base an.
Je größer die Konzentration der
Essigteilchen ist, desto später wird dieser Punkt erreicht. Eine höher
konzentrierte Lösung "puffert" also besser als
eine niedrig konzentrierte, man muss umso mehr von einer starke Base zugeben, bis der neutralen
Bereich (pH 7) erreicht wird, je höher die Konzentration des
Puffergemischs ist.
Wie wir gesehen haben ist der pH ist kein Maß
für die Säuremenge. Die Menge einer starken Base, die ich benötige,
damit die Lösung einen neutralen pH erreicht, erlaubt hingegen den
Rückschluss auf die Säuremenge. Eine solche Messung nennt der Chemiker Titration
(siehe unten). Durch Titration kann die die Säuremenge auch im Wein
bestimmt werden.
Noch ein Wort zur Nachhaltigkeit des Säuregeschmacks. Speichel
ist ebenfalls ein Puffer, allerdings mit einem neutralen pH von
etwa 7 bis 8 (ein niedriger pH würde verschiedene Enzyme
im Speichel hemmen und den Zahnschmelz angreifen). Wenn Sie einen
Schluck sauren Wein in den Mund nehmen, puffert Ihr Speichel
quasi "gegen" den pH-Wert des Weins. Ein Wein mit niedriger
Säuremenge wird schneller vom Speichel neutralisiert als
ein Wein mit hoher Säuremenge. Er schmeckt flau und langweilig. Ein Wein mit
viel Säure ist nachhaltiger im Säuregeschmack, auch wenn
der pH-Wert sich nicht von einem Wein mit geringer Säuremenge
unterscheidet. Ein Zuviel an Säure schadet natürlich
auch, die Säure kann feine Geschmacksnuancen überdecken und den
Magen belasten. Erfahrungsgemäß sind Säurewerte von
7,5 g/l im Wein optimal.
Wie kann ich also die Säuremenge bestimmen?
Durch Titration! Dazu dient das so genannte Acidometer. Das Prinzip beruht darauf,
dass die Säure im Wein nach und nach durch Zugabe einer stark basischen
Lösung neutralisiert wird. Die Säure ist vollständig neutralisiert, wenn
der neutrale pH-Wert von 7 erreicht wird. Die Menge an Base, die man dafür
benötigt, ist ein Maß für die Säuremenge, die im Wein ist. Das Erreichen
des Neutralpunkts kann man durch den Umschlag eines farbigen Indikators
erkennen.
Die Acidometer-Sets bestehen meist aus
einem Messzylinder und der sogenannten Blaulauge. Die Blaulauge ist eine
Lösung aus Natriumhydroxid (NaOH) mit dem Indikator Bromthymolblau, dieser
ist im stark sauren Milieu rot gefärbt, im sauren Bereich gelb, bei
ca. pH 6 schlägt er nach grün um und ab 7,5 ist die Farbe blau. Zunächst
gibt man 10 ml Wein in den Messzylinder. Dann tropft man ein wenig
Blaulauge in den Wein, und die Farbe schlägt nach gelb um, denn der Wein ist
sauer. Nun tropft man langsam unter ständigem Mischen weiter Blaulauge
hinzu, bis ein dauerhafter Farbumschlag des Indikators von gelb nach grün
oder gar blau sichtbar wird. Nun hat man den neutralen pH-Wert von etwa 7
erreicht. Die dazu benötigte Menge Blaulauge kann man nun an der Skala des
Messzylinders ablesen. Die Konzentration der Blaulauge ist so eingestellt,
dass 1 ml verbrauchter Blaulauge einer Säuremenge von 1 g/l entspricht.
Haben Sie also z.B. 5,5 ml Blaulauge bis zum dauerhaften Farbumschlag
benötigt, so beträgt die Säuremenge im Wein 5,5 g/l.
Diese Sets haben zwei Nachteile:
Erstens ist man von der Titrierlösung abhängig, die man (natürlich
überteuert) nachkaufen muss. Zweitens bereiten extrem dunkle Weine
Probleme, zum Beispiel aus Heidel- oder Holunderbeeren, denn man kann den
Farbumschlag nur schwer beobachten. Außerdem ändern die meisten meisten
Farbstoffe aus den Früchten während der Titration ebenfalls ihre Farbe.
Rote pflanzliche Farbstoffe werden im basischen Bereich zum Beispiel oft
blau. Hier kann man sich mit Lackmuspapier behelfen. Dieses Papier färbt
sich im sauren Bereich rot, im basischen blau. Nach jeder Basenzugabe
tropft man dazu etwas Lösung auf das Papier, welches die Flüssigkeit
aufsaugt. Dabei bleiben die Farbstoffe des Weins in der Mitte des Tropfens
zurück, und am Rand des Tropfens auf dem Papier kann der Farbumschlag
beobachtet werden. Dies ist aber ein langwieriges Unterfangen.
Sie können sich die Titrierlösung,
also die Blaulauge, auch selbst herstellen: Es handelt sich um eine 0,53 %ige
NaOH-Lösung. Lösen Sie zur Herstellung 5,3 g NaOH in
einem Liter Wasser und geben sie etwas Bromthymolblau hinzu.
Beides ist im Chemikalienhandel preisgünstig zu beziehen.
Achtung: NaOH ist eine sehr starke Base und führt
zu Verätzungen! Gehen Sie nur mit NaOH um, wenn Sie mit
den Sicherheitsbestimmungen vertraut sind! Benutzen Sie beim
Umgang mit NaOH eine Schutzbrille! Vermeiden Sie den Kontakt
mit der Haut oder den Augen! Sollte es trotzdem in die Augen
gelangen, so spülen Sie sie mit viel Wasser aus und konsultieren
Sie einen Augenarzt!
Inzwischen sind auch pH-Messgeräte
für unter deutlich unter 50 Euro zu haben, und manch Aquarianer wird sowieso
eines besitzen. Dann können Sie sich das Acidometer ganz
sparen. Wichtig ist die Pflege und die regelmäßige
Eichung dieser Geräte entsprechend der Hinweise in der Bedienungsanleitung.
Stellen sie wie oben beschrieben eine 0,53%ige NaOH-Lösung
her, jedoch ohne pH-Indikator. Entnehmen sie 10 ml Wein und geben
sie etwas destilliertes Wasser oder notfalls auch Leitungswasser
dazu, damit die Elektrode gut untertaucht (durch die Zugabe von
neutralem Wasser ändert sich die Säuremenge in der
Probe nicht). Tauchen Sie die Elektrode in die Flüssigkeit und geben Sie
unter ständigem Rühren die NaOH-Lösung hinzu, bis
das pH-Meter 7,0 zeigt. Besonders geeignet sind hierfür
so genannte Büretten, die speziell zur Titration entwickelt
wurden, oder 10 ml-Glaspipetten. Mit diesen Glasgeräten kann man die
jeweils verbrauchte Menge Titrierlösung direkt ablesen. Auch hier gilt natürlich: Jeder
Milliliter verbrauchter NaOH-Lösung entspricht einer Säuremenge von 1 g/l.
Ein weiteres sehr hilfreiches Gerät für
die Titration ist ein Magnetrührer, ein spezielles Laborgerät zum Umrühren
von Flüssigkeiten. Es nimmt Ihnen das ständige Mischen ab. Das Gefäß mit
der Weinprobe wird auf den Magnetrührer gestellt, der einen ummantelten
Magneten in der Probe in Drehung versetzt. Dadurch gerät die Flüssigkeit
ebenfalls in Bewegung und mischt sich selbst ständig gründlich durch.
Die Bestimmung der gesamten schwefligen
Säure
Das Schwefeln des Weins ist absolut zu
empfehlen und gesundheitlich unbedenklich, wenn Sie nur die empfohlene
Menge Kaliumpyrosulfit
zum Schwefeln einsetzen. Dann ist es nicht notwendig, die vom
Kaliumpyrosulfit freigesetzte Menge an schwefliger Säure
zu messen. Ein übermäßiger Gebrauch des Sulfits
kann zu einem "Schädelwein" führen, dessen
Genuss Sie am nächsten Tag bereuen werden.
Wenn Sie Essig aus selbstgemachtem oder
gekauften Wein herstellen wollen, macht die Messung Sinn, da
die Essigsäurebakterien sehr empfindlich auf hohe Konzentrationen
der schwefligen Säure reagieren. Hierzu gibt es Titriersets,
die in der Anwendung den Acidometern ähneln: Eine bestimmte
Menge Wein wird zunächst mit einer Lauge und dann mit einer
Säure versetzt und gut gemischt. Anschließend gibt
man eine Iod-Iodid-Lösung hinzu, bis eine dauerhafte Blaufärbung
eintritt. Diese wird durch eine Iod-Stärke-Einschlußreaktion
hervorgerufen. Durch die schweflige Säure wird das Iod jedoch
in Iodid umgewandelt, das mit der Stärke keinen farbigen
Komplex bilden kann. Die benötigte Menge an zugegebenem
Iod, die zu einer stabilen Blaufärbung führt, ist also
ein Maß für die Menge der schwefliger Säure in
der Weinprobe.
Ein antikes Messgerät zur
Alkoholbestimmung: Das Liquometer
Das Vinometer ist sicher kein
sonderlich beliebtes Messgerät. Ist die Kapillare verschmutzt oder enthält
der Wein viel Trub oder viel Kohlensäure, so ist eine sinnvolle Messung
fast unmöglich. Aber: Wer sich schon über das Vinometer aufregt
sollte einen Blick auf das Liquometer werfen.
Liquometer nach
Musculus, Valson & Comp.

© Dr. Andreas Kranz 2007
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