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In
diesem Kapitel möchte ich Ihnen nicht nur einen Überblick
darüber vermitteln, mit welchen Kosten Sie für Ihr
neues Hobby rechnen müssen. Ich möchte Ihnen darlegen,
welche Geräte ich für notwendig halte und welche Anschaffung
Sie sich sparen können. Alle Angaben sind gerundet und entsprechen
dem mir günstigsten bekannten Anschaffungspreis (Stand 2002).
Sollten Sie eine günstigere Quelle kennen, so melden Sie
sich bitte! Auch ich kaufe gerne billig ein.
Die Hauptkosten für einen Weinansatz
entfallen auf die Früchte, sofern Sie keine Überschüsse
aus dem eigenen Garten verarbeiten oder selbst sammeln wollen.
Ein Apfelwein aus gekauftem Apfelsaft ist preisgünstig anzusetzen,
für 10 l Himbeerwein habe ich andererseits schon Früchte
für über 30 gekauft. Die Reinzuchthefe,
der Zucker oder der Honig kosten für 10 l Wein nochmals
5 bis 8 . Alle sonstigen Zutaten inklusive
Korken, Etiketten und Schrumpfkapseln für die stilgerechte
Abfüllung schlagen mit etwa 3 zu Buche. Ihr selbst
gemachter Wein kostet in der Herstellung also eher weniger als
eine gute Flasche Wein aus dem Supermarkt. Die kann freilich
jedermann kaufen, aber Ihr Wein wird einzigartig sein. Zuvor
müssen Sie freilich in einige Geräte investieren.
Der Gärbehälter und der Gärverschluss
Das wichtigste Utensil zur Weinbereitung ist der
Gärbehälter samt Gärverschluss. Einerseits soll der Luftsauerstoff vom
Wein ferngehalten werden, andererseits muss das bei der Gärung entstehende
Kohlendioxid entweichen.
Zunächst steht der Hobbywinzer vor einer
Grundsatzentscheidung: Er hat die Wahl zwischen Gärbehältern aus Glas,
Kunststoff und Holz.
Das Holzfass
Dem Anfänger rate ich von Holzfässern ab. Die
Gründe: Sie sind sehr teuer in der Anschaffung und benötigen eine
sorgfältige Pflege damit sie dicht bleiben und damit sich auf der
Innenseite kein Schimmel festsetzt. Außerdem sollten sie nicht dem Irrtum
aufsetzten, man könne ein x-beliebiges Fass verwenden um einen
Barriqueausbau zu erreichen. Fazit: Finger weg!
Gärfässer aus Kunststoff
Die Vorteile der Kunststofffässer liegen auf der
Hand: Sie benötigen wenig Pflege, sind leicht und können nicht zerbrechen.
Sie haben aber auch einige Nachteile. In der Anschaffung sind sie teurer
als Glasballons. Ein weiterer Punkt der mich besonders stört: Man kann
nicht sehen was in ihnen vorgeht. Während einer Gärung ist das ärgerlich,
während der fertige Wein zur Selbstklärung lagert ist das fatal. Denn
gerade in dieser Phase ist jeglicher Sauerstoffkontakt zu vermeiden. Aber
will man den Wein im undurchsichtigen Plastikgefäß ansehen muss man es
öffnen, und so gelangt eine Menge Sauerstoff hinein.
Noch ein Wort zum
Thema Sauerstoff: Ein Kunststoffbehälter ist niemals so dicht wie z.B. ein
Glasbehälter. Der Grund hierfür: Flüssige und gasförmige Stoffe können den
Kunststoff auf molekularer Ebene durchdringen. Sauerstoff kann also durch
den Kunststoff in den Wein eindringen. Dadurch wird die Haltbarkeit
herabgesetzt (siehe auch Kapitel "Abfüllung").
Der Fachmann nennt die Durchdringung von Feststoffen
durch kleine Moleküle Permeation. Die Permeation kann durch eine spezielle
Oberflächenbehandlung zwar reduziert, aber nicht gänzlich ausgeschaltet
werden. Jeder kennt die Permeation aus dem täglichen Leben: Nimmt ein
Kunststoffbehälter einen üblen Geruch an, der sich trotz ausgiebiger
Reinigung nicht mehr entfernen lässt, so ist daran ebenfalls die Permeation
schuld: Die Geruchsmoleküle sind tief in den Kunststoff eingedrungen und
werden nach und nach wieder freigesetzt.
Ein weiterer Nachteil von Kunststoffbehältern: Kunststoffe werden mit UV-Stabilisatoren und
Weichmachern (z.B. die so genannten Phtalate) versetzt um das Material
haltbarer zu machen und um die Dehnbarkeit und Verarbeitbarkeit zu
verbessern. Diese Stoffe gelten als gesundheitsgefährdend, den Phtalaten
wird z.B. eine hodenkrebsfördernde Wirkung zugesprochen.
Kunststoffbehälter können diese Substanzen langsam an die darin
befindlichen Lebensmittel abgeben.
Fazit: Ein Gärfass ist zwar für einen gärenden Wein
geeignet, bei dem das Kohlendioxidpolster den Wein vor zu viel Sauerstoff
schützt, aber nicht für die länger andauernde Lagerung eines fertigen
Wein!
Grundsätzlich sollen nur solche
Kunststoffgärbehälter verwendet werden die auch speziell für die
Weinherstellung hergestellt wurden. Billige Kunststoffkanister mögen zwar
lebensmittelgeeignet sein (Kelch- und Gabel-Symbol), sie sind aber
womöglich nicht oberflächenversiegelt. Völlig untauglich sind
PET-Wasserflaschen, sie setzten geschmacksverändernde Substanzen frei.
Gäreimer
Sehr günstig in der Anschaffung sind 33 l-Gäreimer
aus Kunststoff. Sie sind durchsichtig, haben eine Skala und einen großen
Deckel mit Loch und Dichtung für das Gärröhrchen. Der Deckel ist sehr
undicht, aber solange der Eimer nur für Maische verwendet wird, der sich
in der stürmischen Gärphase befindet, ist das egal. Dieser Eimer ist
optimal für stark schäumende Maischegärung geeignet, weil er von allen
genannten Behältern wegen der großen Deckelöffnung am einfachsten zu
reinigen ist. Der Kunststoff scheint Fremdgerüche nur schlecht anzunehmen,
schlechter als viele Gärfässer.
Fazit: Daumen hoch! Wenn die Maische abgepresst
wurde gehört der Wein allerdings umgefüllt in ein dichteres Gefäß.
Gärballons aus Glas
Für mich sind Glasballons die beste Lösung: Glas ist
absolut geschmacksneutral, setzt keine möglicherweise
gesundheitsgefährdende Stoffe frei und ist im Gegensatz zum Kunststoff
wirklich gasdicht. Die Ballons haben einen weiten Hals, damit die
Beschickung und Reinigung erleichtert wird, sowie einen Kunststoffkorb als
Schutz vor Bruch. Optimal sind helle Ballons mit gewölbtem Boden: So kann
man die Vorgänge im Inneren sehr gut beobachten und beurteilen, und der
Boden erleichtert das Abziehen vom Bodensatz. Da ein solcher
Arbeitsschritt, wie sie später noch sehen werden, oft mehrmals nötig ist,
sollte der Hobbywinzer immer mehrere Ballons besitzen. Sehr gut bewährt
hat sich die Kombination von Ballons der Größen 25 l ( € 20), 15 l (€ 15)
und 10 l (€ 12). So kann ich zum Beispiel einen stark schäumenden Ansatz
von 15 l zunächst in einem großen Ballon starten. Der großzügige Steigraum
verhindert das der Schaum in das Gärröhrchen gelangt und es möglicherweise
sogar verstopft. Später, wenn jeglicher Kontakt mit Luft vermieden werden
soll, kann der Wein spundvoll in einen kleineren Ballon umgefüllt werden.
Gärkappen, Stopfen und Gärröhrchen
Verschlossen werden Glasballons und andere
Gärbehälter. mit Gummikappen oder Gummistopfen mit einer Bohrung. In die
Bohrung wird das Gäröhrchen mit Sperrflüssigkeit (Wasser) gesteckt wird
(zusammen € 4). Das Gärröhrchen lässt das bei der Gärung entstehende
Kohlendioxid entweichen, verhindert aber das Eindringen von Sauerstoff.
Gummistopfen können sich, wenn sie nicht fest genug
in die Öffnung gesteckt wurden, unbemerkt lockern und werden dann undicht.
Außerdem kann sich am Rand zwischen Gefäß und Stopfen Flüssigkeit
ansammeln. Dies ist eine Bakterienbrutstätte die in das Gefäß laufen kann,
wenn es geöffnet wird. Wir bevorzugen deshalb Gärkappen. Mit der Zeit
können diese spröde werden, ihre Dichtigkeit muss regelmäßig
überprüft werden.
Gärröhrchen gibt es aus Glas oder aus Kunststoff.
Die Glasgeräte sehen zwar hübsch aus, sind aber äußerst zerbrechlich und
teuer. Wir bevorzugen deshalb die Kunststoffgärröhrchen.
Was sonst noch zur Grundausstattung gehört
Diverse Küchenbehälter, ein Kartoffelstampfer oder
ein Pürierstab zum zerkleinern der Früchte und eine Waage werden sich in
den meisten Haushalten finden.
Sinnvoll ist eine Ballonbürste zum Reinigen der
Glasgefäße (€ 15). Das Abziehen von einem Bodensatz habe ich bereits erwähnt.
Hierzu dient ein Weinheber ( 7), mit dem der Wein oben
aus dem Behälter gesaugt werden kann, ohne den Bodensatz
aufzuwirbeln. Weiterhin benötigen Sie einen Handpressbeutel
( 8), mit dem Fruchtreste aus dem Wein abgepresst werden
können. Außerdem sollten Sie sich noch einen großen
Trichter mit Siebeinsatz ( 8) zur problemlosen Befüllung
der Ballons gönnen. Mit einem Füllstop-Trichter (
4) können Pfützen durch überlaufende Flaschen
bei der Abfüllung vermieden werden. Ein Vinometer (
5) erlaubt die ungefähre Bestimmung des Alkoholgehalts,
und mit einem Acidometer-Set ( 15) kann die Gesamtsäure
in Saft oder Wein ermittelt werden. Mit einer Feinwaage (Genauigkeit 0,1
g, € 20) können die Zutaten genau abgewogen werden. So gerüstet, können
Sie sich an ihren ersten Wein wagen.
Nützliche Helfer
Wenn Sie meinen Vorschlägen zum Umgang
mit Zucker folgen, brauchen sie den Zuckergehalt eines Weinansatzes
eigentlich nicht zu messen. Ansonsten dient dazu eine Oechslewaage
samt Standzylinder (zusammen 16).
Nichts spricht dagegen, wenn Sie ihre Weine in Glasflaschen mit
Schraubverschluss abfüllen. Wirklich stilecht ist natürlich
nur die verkorkte Flasche. Es gibt verschiedene Methoden, um
den Korken in die Flasche zu bekommen; von der Methode mit dem
Hammer ist abzuraten, da sie zu zersplitterten Glashälsen
und herumfliegenden Splittern führen kann. Da wäre
zum einen die Handkorkmaschine ( 14) aus Holz und
Kunststoff, die auf die Flasche aufgesetzt wird. Dann soll der
Korken durch einen beherzten Schlag auf einen Kolben in die Flasche
getrieben werden. Wenn Sie das ein paar mal getan haben, dann
wissen Sie wirklich, was sie getan haben. Außerdem können
Sie damit nur angespitzte, weniger gut schließende Korken
verwenden, weshalb die Flaschen aufrecht gelagert werden müssen.
Ich halte die Anschaffung dieses Geräts für unnütz.
Besser geeignet ist der Handkorker Metall ( 17)
für gerade Korken. Damit schaffen Sie es bei jedem zweiten
oder dritten Versuch tatsächlich, den Korken tief genug
in den Flaschenhals zu bekommen. Bei diesem Modell wird die dazu
notwendige Kraft durch zwei Hebel aufgebracht. Nach rund 60 verkorkten
Flaschen zeigten sich bei meinem Exemplar allerdings deutliche
Verschleißerscheinungen am Gerät und an meinen Nerven.
Wenn Sie eine größere Anzahl Flaschen verschließen
wollen oder dieses Hobby langfristig betreiben ist das Verkorker-Tisch-Standgerät
( 75) oder ein
Standverkorker der Verkorker der Wahl. Nur damit können sie zügig und
nervenschonend arbeiten. Sie sollten darauf achten das bei dem Verkorker
die Backen welche den Korken zusammen pressen aus Metall gefertigt sind.
An späterer Stelle werde ich noch genauer auf die Problematik
der Weinklärung eingehen, hier sei nur gesagt, dass es nicht
immer einfach und manchmal sogar unmöglich ist, den Wein
von allen Trübstoffen zu befreien. Eine Lösung ist
die Filtration. Lassen sie sich aber nicht den Kleinfilter (€ 23)
andrehen, bei dem der Druck für das Filtern einzig durch das natürliche
Gefälle erzeugt werden soll. Mit diesem Gerät filtern sie stunden-, wenn
nicht tagelang. Sinnvoll ist die Anschaffung des Simplex-Filters (€ 51)
samt Simplex-Handpumpe (€ 38), mit welcher der nötige Druck aufgebaut
werden kann. Mit den lieferbaren Filterschichten verschiedener Porengröße
kann der Wein in 5l- oder 10l-Portionen (je nach Modell) sogar
sterilfiltriert werden, sprich alle im Wein befindlichen Mikroorganismen
werden sicher entfernt.
Der pure Luxus
Es
gibt natürlich noch allerlei Geräte, deren Anschaffung
zwar nicht unbedingt notwendig ist, die aber die Arbeit erleichtern
können und auf jeden Fall teuer sind. Deshalb verzichte
ich nun auf die Angabe von Preisen, bitte verstehen sie diesen
Abschnitt nur als Anregung.
Noch bequemer als mit dem Simplex-Filter ist die Filtration mit
Filtersystemen samt elektrisch angetriebener Kreiselpumpe. Die
Kosten liegen freilich deutlich über 500. Für
die Verarbeitung großer Fruchtmengen, wenn Sie zum Beispiel
der glückliche Besitzer eines großen Gartens sind,
gibt es verschiedene Mühlen, Pressen und Entsafter. Es gibt
Wärmeplatten für Ihre Ballons, mit denen Sie auch im
kalten Keller eine rasche Gärung erreichen können,
es gibt Magnetrührer welche sich beim Lösen von Honig oder Zucker in
Flüssigkeiten als äußerst hilfreich erweisen, es gibt wassergetriebene
Flaschenwaschgeräte, es gibt Etikettierer für das exakte Bekleben Ihrer
Flaschen... Wie es sich für ein Hobby gehört, können Sie also auch für die
Fruchtweinbereitung eine Menge Geld ausgeben. Mein Tipp: Lassen Sie sich
in einem Fachgeschäft beraten, wenn Sie eine größere Anschaffung planen.

© Dr. Andreas Kranz, Birgit Schmuck 2007
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