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Wie
man die Säuremenge bestimmt, habe ich bereits im Kapitel
"Die Analytik" dargestellt. Warum ist das überhaupt
notwendig?
Ein Wein sollte einen Gesamtsäuregehalt
zwischen 4 und 8,5 g/l haben. Die Säure schützt nicht
nur vor unerwünschten Mikroorganismen, sie ist auch wesentlich
für den Geschmack des Wein: Ist der Säuregehalt zu
gering, schmeckt der Wein kraftlos, nüchtern und fade, er hat keinen
Körper. Ein zu
hoher Säuregehalt kann aber einen empfindlichen Magen ernsthaft
belasten. Leider ist der Säuregehalt vieler Früchte
nicht optimal, deshalb muss in solchen Fällen etwas
nachgeholfen werden. Die Standardrezepte haben meist Angaben,
wie viel Säure zusätzlich hinzu gegeben werden soll.
Vergessen Sie nicht, dass es sich hierbei nur um Richtlinien
handelt. Der Säuregehalt der Früchte kann je nach Sorte
und Jahrgang sehr stark variieren. Wenn Sie sich starr an die Rezepte
halten ist ein optimaler Säuregehalt reine Glückssache! Eine schlechte
Säuremessung ist einer guten Säureschätzung immer vorzuziehen.
Besonders wichtig ist das Einstellen der Säuremengen
bei Honigweinen, da der Honig keine Säure mitbringt. Gerade Honigweine
sind sehr gefährdet durch Weinfehler, wenn die Säure nicht eingestellt
wurde. In einigen Foren habe ich gelesen, dass viele Hobbywinzer keine
Säure beim Met verwenden möchten, weil sie nicht wollen, dass der Wein nur
sauer schmeckt. Darauf hat meine Schwägerin Birgit Schmuck ein gutes
Gegenbeispiel gefunden. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Haufen
köstlicher Erdbeeren auf dem Teller, die aber leider ein bisschen sauer
sind. Sie werden etwas Zucker auf die Erdbeeren streuen und feststellen,
dass sie nun süßer und besser schmecken, aber nicht mehr nach Säure. Die
Säure ist nicht verschwunden oder gar neutralisiert, man nimmt sie nur
nicht mehr war. Das Erbeerdaroma kommt durch die geschmacksverstärkende
Wirkung des Zuckers nun viel Besser zur Geltung. So ist es auch im Wein:
Die Säure schmeckt nicht vor, wenn der Wein genügend Restsüße besitzt, und
die Aromen entfalten sich optimal mit ein wenig Restzucker.
Grundsätzlich gilt: Je höher der Alkohol- und der
Zuckergehalt des Weins, desto saurer sollte er sein. Sollten Sie unsicher
sein, dann stellen Sie den Säuregehalt auf einen Wert von 6,5 bis 7,5 g/l
ein. Damit liegen Sie in den allermeisten Fällen goldrichtig. Da meine
Weine meistens stark alkoholhaltig da ausgegoren sind, stelle ich immer
diesen Säurewert ein und hatte damit noch nie Pech. Weine mit wenig
Alkohol oder einem sehr feinen Aroma sollten einen allerdings niedrigeren
Säuregehalt haben. Am besten, Sie stellen zunächst einen niedrige
Säuregehalt ein und kosten, ob der Geschmack Ihnen zusagt. Denken Sie
daran: Was einmal drin ist, bleibt auch drin! Nachsäuern können Sie immer.
Was tun bei zu niedrigem Säuregehalt?
Dieses Problem ist einfach zu beheben: Der Wein wird
mit zusätzlicher Säure versetzt. Dazu können im Fachhandel verschiedene
Säuren bezogen werden: Die Milchsäure (Lactat), die Zitronensäure (Citrat)
und ferner die Äpfelsäure (Malat).
Milchsäure gibt es im Fachhandel in flüssiger Form, meist als Lösung mit
einer Konzentration von 80%. Milchsäure ist die erste Wahl, denn es
handelt sich um eine gärungsstabile Säure, die von der Hefe nicht weiter
abgebaut wird. Außerdem handelt es sich um eine "weiche" Säure, die
angenehm schmeckt und nicht im Rachen kratzt. Wenn Sie auf Chemie in Ihrem
Wein verzichten möchten, müssen Sie die Milchsäure nicht meiden:
Milchsäure ist das natürliche Produkt der Milchsäuregärung und findet sich
zum Beispiel im Yoghurt oder im Sauerkraut in hoher Konzentration.
Um die Säuremenge von 10 l Wein um
1 g/l zu erhöhen, müssen 12,5 ml 80% Milchsäure hinzugefügt
werden.
Dazu ein Beispiel: Sie setzen 10 l Bananenwein an.
Bananen haben sehr wenig Säure, deshalb haben Sie nach den Angaben im
Rezept Sultaninen dazu gegeben. Trotzdem beträgt der Säuregehalt nur 5
g/l. Um einen Säuregehalt von 7,5 g/l einzustellen, benötigen Sie 7,5-5
g/l, also 2,5 g/l zusätzliche Säure. Bezogen auf die zehn Liter sind
das 25 g Säure, dies entspricht einer Zugabe von 25 x 1,25 ml = 31,25 ml
80%iger Milchsäure.
Mehr als 35 ml pro 10 l Wein sollten nicht verwendet
werden, da die Milchsäure in so großer Menge doch
unangenehm hervorschmecken könnte. Dann muss Zitronen-
oder Apfelsäure für eine weitere Ansäuerung benutzt werden. Im
Zweifelsfall ist die Zitronensäure nach der Milchsäure die zweitbeste
Wahl: Apfelsäure schmeckt zwar in geringen Dosen frisch-fruchtig, kann bei
Überdosierung aber zu einem ausgeprägten Fehlton nach Apfel führen.
Im Gegensatz zur Milchsäure sind weder Apfel- noch
Zitronensäure gärungsstabil, sie können also im Laufe der Gärung durch die
Hefe abgebaut werden, wodurch der Säuregehalt sinken kann (siehe unten).
Beide Säuren gibt es als Pulver zu kaufen, und sie können einfach
abgewogen und in den Wein gegeben werden.
Dazu ein weiteres Beispiel: Sie möchten einen
Honigwein herstellen. Wie im Rezept angegeben, benutzen Sie saure Äpfel,
damit der Ansatz besser gärt. Trotzdem ist der Säuregehalt nur 1,5 g/l,
Ihnen fehlen also mindestens 50 g Säure in Bezug auf das Endvolumen von 10
l. So viel Milchsäure möchten Sie jedoch nicht einsetzen. Sie möchten
lieber jeweils zur Hälfte Zitronensäure und Milchsäure nehmen: Sie messen
deshalb 25 g Zitronensäure und 25 x 1,25 ml = 31,25 ml Milchsäure ab
und geben beides in den Gäransatz.
Was tun bei zu hohem Säuregehalt?
Ein zu hoher Säuregehalt stellt und vor größere
Probleme als ein zu niedriger Säuregehalt. Betrachten wir zunächst die
Frage ob uns die Hefen beim Säureabbau helfen können.
Die Gärungsstabilität von Säuren
Die am häufigsten in Obst, Früchten und Beeren vorkommenden Säuren
sind die Zitronen- und die Apfelsäure. Beide können von Hefen während der
Gärung abgebaut werden zu Ethanol und Kohlendioxid. In der Praxis vergären
Reinzuchthefen aber nur einen geringen Anteil dieser Säuren. Wenn
überhaupt geschieht dies vor allem in der ersten Gärphase, wenn sich die
Hefezellen noch vermehren. Einige
"wilde" Hefen setzen zwar mehr Apfelsäure um als unsere Weinhefen, da sie
aber viele andere Gärungsnebenprodukte erzeugen sind sie eher unerwünscht.
Milchsäure kann in kleinen Mengen bei der Hefegärung entstehen. Sie ist
gärungsstabil und wird nicht weiter abgebaut. Auch die im wesentlichen nur
bei Trauben vorkommende Weinsäure ist gärungsstabil.
Sonderfall Trauben- und Rhabarberwein: Die Fällung mit Calciumcarbonat
Durch die Zugabe von Calciumcarbonat (CaCO3) kann Weinsäure ausgefällt
werden, nicht aber andere Säuren. Das Calcium bildet mit der Weinsäure ein
unlösliches Salz, das sich am Boden des Gärbehälters absetzt und so dem
Wein entzogen wird. Dabei entsteht Kohlendioxid (HOOC-HOCH-HOCO-COOH
+ CaCO3 -> Ca(OOC-HOCH-HOCO-COO) + H2O + CO2).
Enthalt die verwendete Frucht also keine Weinsäure, ist die Fällung mit
Calciumcarbonat nutzlos. Diese Methode eignet sich aber zur Entsäuerung
von Traubenweinen, die oft viel Weinsäure enthalten. Ein Sonderfall stellt
der Rhabarberwein dar. Er enthält große Mengen von Oxalsäure, die
gesundheitlich bedenklich ist. Sie kann aber ebenfalls mit Calcium
ausgefällt werden.
Die Zugabe von 6,7 g Calciumcarbonat reduziert die Säuremenge
von 10 l Wein um 1 g/l. Hinweise zur Durchführung der Fällung finden
Sie bei den Rezepten von Trauben- und Rhabarberwein.
Die Doppelsalzfällung
Mit der Doppelsalzfällung kann nicht nur die Weinsäure, sondern auch die
Äpfelsäure ausgefällt werden (daher kommt auch der Name). Hierzu wird
ebenfalls Calciumcarbonat eingesetzt. Der Trick im Vergleich zur einfachen
Carbonatfällung besteht darin, dass zu etwa 10% des Weins so viel
Calciumcarbonat gegeben wird, bis das der pH auf einen Wert von über 5,1
steigt. Ab diesem Punkt fällt auch das Salz der Äpfelsäure aus.
Der biologische Säureabbau (BSA)
Die biologische Weinentsäuerung beruht auf der Tätigkeit von
Milchsäurebakterien nach oder während der alkoholischen Gärung. Bakterien der
Gattungen Lactobacillus, Pediococcus und Leuconostoc
vergären die Äpfelsäure und setzen sie in die weniger starke Milchsäure
um. Die Aktivität der Bakterien wird gefördert durch hohe Temperaturen,
einem geringen Alkoholgehalt und eine geringe Schwefelung. Wenn der
fertige Wein nicht rasch vom Hefebodensatz abgezogen wird, ist dies ein
idealer Nährboden für die Bakterien. Eine außer Kontrolle gerate
Äpfelsäuregärung führt zu einem Weinfehler, dem Milchsäurestich.
Säureabbau: Fazit
Fruchtweine mit deutlich überhöhtem Säuregehalt werden auch nach der
Gärung einen zu hohen Säuregehalt aufweisen. Es gibt verschiene Methoden, um den
Säuregehalt eines Weins zu senken. Diese Methoden sind aber für den Laien
nicht leicht durchzuführen. Das Hauptproblem ist: Die am häufigsten
bei Früchten und Beeren vorkommenden Säuren lassen sich nicht ausfällen.
Die Zugabe von Basen wie Natriumhydroxid oder Calciumcarbonat würde die
Säure zwar teilweise chemisch neutralisieren, aber nicht ausfällen: Der
Wein bekommt dann eine seifig-salzige Fehlnote.
Hier hilft nur der Zusatz von Wasser, um die Säure
im Gäransatz zu verdünnen. Sie sollten dies in Betracht ziehen, wenn der
Säuregehalt deutlich über 9 g/l beträgt. Aus der Not kann man eine Tugend
machen: Verdünnte Fruchtweine können mit Honig gestreckt werden, denn
Honig bringt Geschmack in den Ansatz aber keine eigene Säure.

© Dr. Andreas Kranz, Birgit Schmuck 2007
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