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Absolute
Sterilität bei der Weinbereitung mag wünschenswert sein, ist aber im
trauten Heim nicht zu erreichen: Allen Früchten haften unerwünschte
Mikroorganismen an, die damit in den Most gelangen. Über die möglichen
Folgen solcher Kontaminationen habe ich bereits in anderen Kapiteln
berichtet. Wenn Sie einige Regeln beachten, können Sie das Risiko von
Weinfehlern und Weinkrankheiten (siehe Kapitel dort) jedoch minimieren.
Hier die goldenen Regeln der Sauberkeit bei der Weinbereitung:
- Alle Geräte und Gefäße, mit denen der Wein in
Berührung kommt, müssen sauber und möglichst keimfrei sein, denn
Obstreste sind potentielle Schimmelpilzquellen, Weinreste sind
Brutstätten für Essigsäurebakterien. So verhindern sie, dass schädliche
Organismen in den Wein gelangen oder von einem Wein auf einen anderen
übertragen werden.
- Faulende oder verschimmelte Früchte gehören nicht
in den Wein! Fallobst kann man verwendet, es muss aber sorgfältig
aussortiert werden. Ansätzen mit Früchten, die zum verschimmeln neigen
(z.B. Erdbeeren), sollten zur Vorbeugung schon vor der Gärung
geschwefelt werden mit 1 g Pyrosulfit auf 10 l Wein..
- Der Weinansatz muss immer mit einem Gärröhrchen
verschlossen sein, damit Keime aus der Luft und Essigfliegen nicht in
den Wein gelangen können! Achten Sie darauf, dass sich immer genügend
Wasser im Röhrchen befindet. Sammeln sich Fliegen im Röhrchen an, so
muss es gesäubert werden. Das Wasser des Röhrchens darf nicht in den
Wein gelangen. Es hat sich bewährt, die Öffnung des Gärröhrchens locker
mit etwas Alufolie zu verschließen.
- Die
Gärung muss schnell einsetzen, damit der dabei entstehende Alkohol die
unerwünschten Mikroorganismen unterdrückt.
- Ist die Gärung zu Ende, sollte der Wein innerhalb
weniger Tage vom Hefesatz abgezogen werden.
- Vor der Abfüllung sollte der Wein geschwefelt
werden!
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, unerwünschten
Keimen auf Geräten den Garaus zu machen:
Sind die Geräte vollständig getrocknet, können Sie
mit einem Stück Aluminiumfolie bequem verschlossen werden. So wird
verhindert, dass Staub und Keime in die Geräte gelangen.
Professionelles Sterilisieren von
Geräten
Keine Angst, die beiden folgenden Methoden brauchen
Sie nicht auszuprobieren, wenn Sie mal nur schnell nebenbei ein paar Liter
köstlichen Wein produzieren wollen. Dieser Absatz richtet sich an
diejenigen, die sich z.B. ihre eigenen Dauerkulturen von Weinhefen anlegen
möchten. Grundsätzlich gibt es es zwei Methoden, Keime an Geräten oder in
Lösungen abzutöten:
Die Sterilisation durch trockene Hitze eignet
sich für Gegenstände aus nichtbrennbaren Materialen wie Glas oder
Metall, aber nicht für Gegenstände aus Papier, Pappe oder Kunststoff.
Dazu werden die Materialen etwa vier Stunden lang auf mindestens 180°C
erhitzt. Diese Temperatur kann auch im heimischen Backofen erreicht
werden und eignet sich zur Sterilisation von Weinflaschen. Werden diese
mit einem Stück Alufolie verschlossen, vermeidet man eine Kontamination
bis zum Befüllen. Vorsicht ist angesagt, wenn zwei unterschiedliche
Materialen wie Glas und Metall fest miteinander verbunden sind: Sie
dehnen sich beim erhitzen unterschiedlich stark aus, was zu Rissen
führen kann. Lackierungen können bei hohen Temperaturen verflüssigen.
Aufgrund der hohen Energiekosten und der langen Dauer benutze ich
persönlich diese Methode aber selten.
Die Sterilisation im gespannten Dampf bzw. das
Autoklavieren überstehen auch spezielle Kunststoffe (Vorsicht, nicht
alle!) und angesetzte Lösungen. Dazu werden die Gegenstände etwas 20
Minuten lang mit unter Druck stehenden Wasserdampf auf 130°C erhitzt. Im
Labor werden dazu spezielle Geräte, die Autoklaven, verwendet. Zu Hause
kann man Schnellkochtöpfe mit Gareinsätzen wunderbar dafür zweckentfremden: Füllen Sie den Topf bis zum Gareinsatz mit Wasser,
darauf stellen das zu sterilisierende Gut. Nun den Topf verschließen und
gemäß der Gebrauchsanweisung erhitzen. Achten Sie darauf, dass der
maximale Druck mindestens 20 Minuten lang erreicht wird. Aber Vorsicht:
Sollen Flüssigkeiten in Flaschen sterilisiert werden, dürfen diese nicht
vollständig verschlossen sein! Auch die Flüssigkeit in der Flasche wird
kochen, dadurch entsteht ein Überdruck, der zum Bersten führen kann.
Schraubdeckel sind deshalb immer eine Umdrehung weit zu öffnen.
Weinschwefelung: Pro und Contra
Ich höre oft Meinungen wie "Ich vertrage gar keinen
geschwefelten Wein" oder "Schwefel ist doch Chemie, solche Weine trinke
ich nicht!" Deshalb möchte ich hier einige Fakten darstellen.
Die konservierende Wirkung des Schwefels war schon
den Griechen und den Römern bekannt. Die Römer unterhielten Schwefelminen
auf Sizilien, wo der Schwefel wegen der vulkanischen Aktivität am Ätna
leicht zugänglich ist.
Heutzutage wird der Hobbywinzer keinen elementaren
Schwefel verbrennen. Die Schwefelung erfolgt mit Kaliumpyrosulfit bzw. Kaliumdisulfit ("E224).
Dabei handelt es sich um das Kaliumsalz der
schwefligen Säure, die gelöst im Wein schweflige Säure H2SO3 als Wirksubstanz
freisetzt (K2S2O5 -> 2SO2 + K2O; SO2 + H2O <-> H2SO3). Die schweflige Säure ist im Wein unverzichtbar, da sie
als Konservierungs- und Antioxidationsmittel wirkt. Diese Wirkungsweisen
habe ich bereits im Kapitel "Die Zutaten" beschrieben.
Gänzlich schwefelfreie Weine gibt es nicht, da als Nebenprodukt der Gärung
ebenfalls SO2
(15-30 mg/l, selten auch wesentlich mehr, abhängig von der Hefesorte und der
Frucht) entsteht. Auf das Schwefeln wird selbst im ökologischen Weinbau
nicht verzichtet, auch wenn hier oft geringe Mengen eingesetzt werden. Die
gesetzlich erlaubte Höchstmenge für Schwefel (Gesamt-SO2) liegt zwischen 160 und 400 mg/l
Wein, in Abhängigkeit von der Weinsorte. Diese Werte liegen so niedrig,
dass sie geschmacksneutral sind und sich nicht nachteilig auf den Körper
auswirken sollten. In der Regel werden Sie Ihren Fruchtwein höchstens drei mal
schwefeln, einmal zu Beginn der Gärung (z.B. wenn Sie Erdbeeren vergären,
die oft auch unsichtbar mit Schimmel belastet sind), nach der Gärung und vor dem Abfüllen
in Flaschen. Damit liegen Sie deutlich unterhalb der gesetzlich erlaubten
Schwefelmenge, da aus 1 g Kaliumdisulfit nur etwa 0,5 g Schwefeldioxid
freigesetzt werden. Außerdem entweicht Schwefeldioxid während der Gärung,
und zu einem geringen Teil auch während der Klärungsphase. Bei längerer
Lagerung kann der Schwefelgehalt im Wein deutlich sinken.
Der Hobbywinzer ist nicht an die gesetzlichen
Vorschriften gebunden und kann den Schwefel auch weglassen, falls er den
Schwefeleinsatz so gering wie möglich halten will. Er muss dann aber mit
den oben genannten Problemen wie der verringerten Lagerfähigkeit oder mit
der Risiko einer Weinkrankheit leben.
Beim Schwefel gilt: So wenig wie möglich, aber so viel wie
nötig! Ungeschwefelte Weine sind extrem anfällig für den Weinfehler
"Brauner Bruch" (siehe Kapitel Weinfehler) und schmecken nach Lagerung oft
schal und matt und verfärben sich dunkel, da sie schneller altern. Versuche, ohne Schwefel
auszukommen, erfordern einen hohen technischen Aufwand. Das so genannte
"Geisenheimer Verfahren" erfordert z.B. eine Pasteurisation vor der
Gärung, die Vergärung in einem Hochdrucktank und die Lagerung des Weins
unter CO2. Trotz des Aufwands schmecken solche Weine
oft eher untypisch. Inzwischen gibt es einige wenige Winzer, die gänzlich
ungeschwefelte Weine anbieten. Bei einem las ich auf der Homepage den
Hinweis, die Weine sollten im Kühlschrank gelagert werden, selbst dort
wären sie nur wenige Monate haltbar. Diese Weine sind aber bestens
geeignet zur Essigherstellung.
Mein Ratschlag: Seien Sie kritisch wenn Ihnen jemand
"natürlichen", "ungeschwefelten" Wein oder "Biowein" verkaufen will.
Ein Wein soll nach Wein schmecken und nicht nach Weinfehlern. Eine
derartiges Etikett ist keine Entschuldigung für einen schlechten
oder fehlerhaften Wein.
Die Schwefelung ist gesundheitlich nicht ganz
unbedenklich. Einige Menschen können allergisch oder mit Asthmaattacken
auf Schwefel reagieren. Diese Fälle sind zum Glück sehr selten. Da
Schwefel Vitamin B1 zerstört, sollten Menschen mit Vitamin B1-Mangel
ebenfalls vorsichtiger mit dem Schwefel umgehen. Sehr empfindliche
Menschen reagieren schon auf kleine Mengen Schwefel mit Kopfschmerzen,
Übelkeit und Durchfall. Das sind Symptome, die auch beim Konsum von
ungeschwefelten alkoholischen Getränken nicht selten auftreten. Früher
galt Schwefel als Hauptverursachen für die Kopfschmerzen nach dem
Weingenuss, dies ist aber falsch. Katerkopfschmerz wird durch Acetaldehyd, Fuselalkohole und Histamine verursacht. Fuselalkohole und
Acetaldehyd sind Gärungsnebenprodukte und entstehen verstärkt bei
unsauberen oder wilden Gärungen, Histamine entstehen durch bakterielle
Tätigkeit. Auch das vor allem in Rotweinen enthaltene Tannin kann
Migräneattacken auslösen.
Oft sind Menschen der Meinung, bestimmte
Lebensmittel nicht vertragen zu können und erkennen nach dem Genuss eine
negative Wirkung. Die Bewertung dieser Beobachtung ist schwierig, da Sie
ja wissen, was Sie gegessen haben, und damit schon eine Erwartungshaltung
haben, die dann sehr oft auch eintrifft. Das ist Shakespeares berühmte
selbsterfüllende Prophezeiung, darauf beruht auch die positive
Wirkung von Placebos.
Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie keinen Schwefel im Wein vertragen
können, so empfehle ich einen einfachen Test: Lassen Sie sich an
verschiedenen Tagen einen normalen und einen schwefelarmen Wein kredenzen.
Sie dürfen natürlich nicht wissen, welchen Wein sie probieren! Halten Sie
nun fest, ob sie den Wein vertragen oder nicht. Wiederholen Sie diesen
Test einige Male und am besten mit verschiedenen Weinsorten. Fassen Sie
dann zusammen, ob Sie in der Lage waren, die schwefelarmen Weine zu
erkennen. Wenn Sie deutlich mehr als 50% Treffer haben, sollten Sie
schwefelreiche Weine tatsächlich meiden.
Kann Ascorbinsäure (Vitamin C) die
Schwefelung ersetzen?
Ein ebenfalls weit verbreitetes Märchen lautet etwa
so: Wer seinen Wein mit dem Antioxidationsmittel Vitamin C versetzt (synonym
Ascorbinsäure) kann sich die Weinschwefelung sparen.
Warum stimmt das nicht? Befassen wir uns tiefer
gehend mit den vier positiven Effekten der Schwefelung (genauer das
Versetzen mit Schwefeldioxid SO2) auf den Wein:
- Schutz vor Weinschädlingen: SO2
hat eine antimikrobielle Wirkung, das heißt. es verhindert das Wachstum
von Weinschädlingen (Wohlgemerkt: Nachgärungen können mit Schwefelungen
nicht verhindert werden!)
- Schutz vor enzymatischer Oxidation: SO2
hat eine enzyminaktivierende Wirkung, insbesondere Enzyme die an der
Übertragung von Sauerstoff und damit an der Weinalterung beteiligt sind
(Oxygenasen) werden strukturell beeinflusst
- Geschmacksverbessernde Wirkung: SO2
erbessert den Weingeschmack durch Bindung von unerwünschten
Carbonylverbindungen, zum Beispiel Acetaldehyd
- Schutz vor nicht-enzymatischer Oxidation: Es hat
reduzierende Wirkung, das heißt es kann die unerwünschte Oxidation von
Weininhaltsstoffen verhindern indem es eindringenden Sauerstoff bindet
bevor dieser „Schaden“ anrichten kann. Hierbei entsteht aus dem
Bisulfition (Hydrogensulfit, HSO3-) der
gelösten schwefligen Säure das Sulfation (SO42−)
Welche Funktionen davon kann die Ascorbinsäure
übernehmen?
Zu 1: Im Vergleich zu den reichlich im Wein
enthaltenen Säuren hat Ascorbinsäure keine spezifische antimikrobielle
Wirkung
Zu 2: Ascorbinsäure besitzt keine hemmende Wirkung
auf Oxygenasen.
Zu 3: Ascorbinsäure bindet keine
Carbonylverbindungen.
Zu 4: Ascorbinsäure hat sowohl antioxidative als
auch prooxidative Eigenschaften.
Was bedeutet die letzte Aussage?
Im Wein reagiert Ascorbinsäure mit eindringendem
Sauerstoff, hierbei wird Dehydroascorbinsäure und das starke
Oxidationsmittel H2O2 gebildet
(Peroxid). Dieses ist sehr viel reaktiver als der Sauerstoff und oxidiert
das im Wein enthaltene SO2 bzw. die schweflige Säure
weiter zu Sulfat: Die wertvollen Weininhaltsstoffe bleiben geschützt.
Letztlich „landet“ der Sauerstoff also dort, wo er auch ohne Zugabe von
Ascorbinsäure landen soll: Bei der schwefligen Säure bzw. beim Produkt
Sulfat. Ist der „Vorrat“ an schwefliger Säure im Wein jedoch
„aufgebraucht“, so zerstört das Peroxid effektiv die Weinbestandteile,
wodurch der Wein dann sehr rasch altert. Man spricht dann von einer
oxidationsfördernden bzw. einer prooxidativen Wirkung.
Auch die beliebte Theorie, nach der Ascorbinsäure
wegen ihrer antioxidativen Wirkung vor DNA-Schäden und Krebs schützen
soll, wird wegen der möglichen prooxidativen Wirkung von Ascorbinsäure
inzwischen kontrovers diskutiert.
Das Fazit ist: Ascorbinsäure kann die Schwefelung
keinesfalls ersetzten, im Gegenteil: Ascorbinsäure kann die Weinalterung
sogar beschleunigen. Vor allem sollte Ascorbinsäure niemals ohne
Schwefelung eingesetzt werden.

© Dr. Andreas Kranz, Birgit Schmuck 2007
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